Warum will ich abnehmen?

Es gibt da dieses kleine Ding. Es steht meistens im Badezimmer und hat die Gabe, einem schon mal den ganzen Tag zu versauen: die Waage. Seit vielen Jahren steige ich – manchmal regelmäßig, manchmal unregelmäßig – auf sie drauf und bekomme eine fast dreistellige Zahl angezeigt. Das ist deprimierend, vor allem, wenn man weiß, dass das nicht das Idealgewicht für einen ist. Aber das ist es gar nicht so sehr. Vielmehr ist es auch das Wissen, dass das, was da so schwabbelt und wackelt, so viel mehr als ein optisches Fiasko ist.

Denn es geht dabei nicht nur um eine Zahl auf der Waage, sondern ganz konkret darum, woran mein Körper aufgrund seines Gewichts scheitern könnte. Zum Beispiel beim Laufen. Regelmäßig habe ich Bedenken: „Meine armen Knie.“ Der Laufsport gilt selbst bei Normalgewichtigen nicht unbedingt als gelenkschonend – mit mehr Gewicht steigt die Belastung entsprechend. Bisher bin ich zwar verletzungsfrei geblieben, vermutlich auch, weil ich es langsam angehe und nicht übertreibe. Trotzdem bleibt der Gedanke: Weniger Gewicht würde schlicht weniger Belastung bedeuten. Für Knie, Füße, Rücken – eigentlich für alles.

Ach, ich habe noch gar nicht gesagt, von wie vielen Kilos wir hier eigentlich sprechen. Ich bin 1,69 m groß und mein Gewicht schwankt seit zwei Jahren zwischen 90 und 92 Kilogramm. Das sogenannte Idealgewicht für meine Größe liegt bei etwa 65 bis 68 Kilogramm. Das sind also rund 25 Kilogramm Unterschied. Realistisch betrachtet wäre ich schon froh über irgendetwas zwischen 70 und 79 Kilogramm. Aber zuerst müsste ich überhaupt einmal die 90 knacken – unter diese Marke hüpft die Waage nämlich nie.

Was mich nun zusätzlich antreibt, es endlich weniger werden zu lassen: Ich hatte 2020 während meiner Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes („Kauft mein eBook!“ – Mir wurde gesagt, dass macht man so als Autorin. Zwinker). Das ist eine vorübergehende Form von Diabetes, ausgelöst durch hormonelle Veränderungen. In dieser Zeit produziert der Körper vermehrt Hormone, die die Wirkung von Insulin abschwächen. Irgendwann kommt das System nicht mehr hinterher, gibt auf – der Zucker bleibt im Blut.

Nach der Geburt normalisierten sich meine Werte zwar wieder. Sie liegen seitdem aber eher am oberen Rand – sozusagen immer einen Zähler unter „Diagnose Diabetes“. Und Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren, wenn es darum geht, ob man in eine Insulinresistenz rutscht und sich daraus ein Typ-2-Diabetes entwickelt.

Man kann sich das Zusammenspiel von Insulin, Zucker und Körperfett wie ein Türschloss vorstellen. Insulin ist der Schlüssel, der die Tür zu unseren Zellen öffnet, damit Zucker aus dem Blut hineingelangt und dort als Energie genutzt werden kann.

Bei einem hohen Körperfettanteil – vor allem durch viel Bauchfett – wird dieses „Schloss“ jedoch zunehmend schwergängig. Es stört die Signalwege in der Zelle. Botenstoffe aus dem Fettgewebe sowie Fetteinlagerungen in Leber- und Muskelzellen sorgen dafür, dass das Insulin-Signal schlechter weitergeleitet wird. Der Schlüssel passt also noch, aber das Schloss dreht sich nicht mehr richtig.

Der Körper reagiert darauf, indem er mehr „Schlüssel“ produziert – also mehr Insulin ausschüttet. Eine Zeit lang funktioniert das. Doch wenn dauerhaft sehr viel Insulin gebraucht wird, ermüdet die „Schlüsselfabrik“, die Bauchspeicheldrüse, und es wird kein Insulin mehr ausgeschüttet. Die Tür geht immer schwerer auf, Zucker bleibt im Blut – und daraus kann sich ein Typ-2-Diabetes entwickeln.

Und genau deshalb soll das Fett jetzt langsam mal weichen.
Nicht nur, weil es schwabbelt und wackelt oder sich schwer kaschieren lässt. Nicht nur fürs Laufen.

Sondern weil ich meinem Körper die Chance geben möchte, gesund zu bleiben.
Weil ich nicht abwarten will, bis aus „grenzwertig“ irgendwann „chronisch“ wird.

Vielleicht wird die Zahl auf der Waage irgendwann eine andere sein. Vielleicht verliert sie sogar ein wenig von ihrer Macht über meine Stimmung am Morgen.

Aber wichtiger ist etwas anderes: Dass ich weiß, warum ich es tue.
Nicht gegen eine Zahl.
Sondern für meine Gesundheit.

Foto von Fuu J auf Unsplash

Kommentare

6 Kommentare zu „Warum will ich abnehmen?“

  1. Avatar von bullion

    Ich kenne diese Art von Gedanken (also minus Schwangerschaftsdiabetes) nur zu gut. Ich hatte mal ca. 20 kg mehr auf den Rippen. Damals habe ich kaum Sport gemacht und viel zu ungesund gegessen. Heute mache ich zwar viel Sport, doch Ernährung ist (wie ich kürzlich erst in einem Artikel geschrieben habe, stets ein Thema. Hauptgrund ist eben auch Gesundheit. Regelmäßiges Wiegen hilft mir auch ganz gut, am Ball zu bleiben. Ich mache das täglich immer zur gleichen Zeit. Da gibt es natürlich Schwankungen, doch der Trend lässt sich für mich gut ablesen (zumindest genauer als wöchentlich). Ich drücke dir die Daumen, dass du einen guten Weg für dich findest. Für mich hat es ganz gut geklappt und ich wurde nie so stark „rückfällig“, dass ich wieder dort gelandet wäre, wo ich angefangen habe. Aber es ist ein stetes bewusstes Leben und daran arbeiten. Das kann ganz cool sein, aber manchmal auch anstrengend.

    1. Avatar von Christiane

      Danke dir 🙂
      Meinen passenden Weg suche ich noch. Aber dieses Mal „sutsche“

  2. Avatar von Sari

    Die Wage ist böse und sollte gemieden werden, denn sie kann die Selbstwahrnehmung ganz schnell kaputt machen. Besser ist es den eigenen Körper zu beobachten und seine Veränderungen wahrzunehmen. Man sieht ja häufig, was Sport mit dem Körper macht, wie er sich formt, strafft oder verändert.

    1. Avatar von Christiane

      Da gebe ich dir teils recht – jedoch ist es bei mir noch viel Fettmasse, die da Gewicht auf die Waage bringt. Mittlerweile habe ich aber „eingesehen“, dass die Oberschenkel wohl eher zu den dickeren gehören und dort erstmal wenig weggehen wird – aber da sind noch viele andere Polster, die weg sollten.

  3. Avatar von Sabine

    ich fühl dich!! Mir geht es ähnlich, Diabetes steht fest, ausgelöst durch zu hohes Gewicht. Eine Zeitlang konnte ich prima abnehmen, aber jetzt stagniert das total. Seit Monaten kämpfe ich und kämpfe und kämpfe und nichts tut sich. So frustrierend.
    Aber dranbleiben ist wichtig! Meine Zuckerwerte haben sich normalisiert, aber ich will zu meinem Ziel gelangen! Nicht nur wegen Diabetes, auch wegen der Gelenke, der Leber, wegen allem. Und wegen meinem Seelenfrieden

    Viel Glück und gibt nicht auf!!
    Ja wir schaffen das! (haha)

    Sabine aus dem Mausloch

    1. Avatar von Christiane

      Oh man ja!

      Bei mir ging es jetzt einen Mäusesprung ( 😉 ) runter, aber hält sich aktuell – aber solang es nicht wieder hoch geht, isses ok

      Ich drücke uns die Daumen!

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