Diese Woche bin ich um 02:30 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen.
Nach einer halben Stunde Herumwälzen beschloss ich, den Tag einfach zu beginnen und laufen zu gehen. Da zeichnete sich allerdings ein Problem in meinem Kopf ab: „Um diese Uhrzeit kannst du doch nicht im Park laufen gehen. Viel zu gefährlich!“
Okay. Ich war maximal verwirrt.
Normalerweise laufe ich um 5 Uhr morgens durch den Park – sogar an Tagen, an denen wenige Kilometer entfernt ein Wolf in der Alster planscht. Er hätte schließlich auch in den Park kommen können! Das ist meine übliche Runde. Und das war für mich noch nie ein Problem.
Aber zwei Stunden früher am Tag mache ich mir plötzlich die Hose voll?
Vielleicht hatte ich Bedenken, dass Betrunkene meinen Weg kreuzen. Immerhin torkeln die eher um 3 Uhr nach Hause als um 5 Uhr. Um 5 Uhr sind die meisten wahrscheinlich längst im Bett und schlummern.
Verstärkt wurde das Ganze vermutlich durch die Zeitungsberichte der letzten Jahre, in denen immer mal wieder von Übergriffen im Park die Rede war. Dazu kommen Berichte über Urteile, bei denen man sich mitunter denkt: Gerecht ist das nicht.
Vielleicht war es das.
Aber es änderte nichts an meiner Unsicherheit.
Also änderte ich meine Strecke.
Statt durch den Park lief ich an den Straßen entlang. Mein hochprofessioneller Sicherheitsplan lautete: „Falls etwas passiert, laufe ich einfach auf die Straße. Dann sieht mich jemand.“
Rückblickend weiß ich nicht, ob das ein besonders ausgeklügeltes Konzept war.
Aber es reichte offenbar, um mich beruhigt loslaufen zu lassen.
Passiert ist nichts.

Aber es macht mich traurig, dass ich überhaupt solche Gedanken habe.
Eigentlich wollte ich nur laufen gehen.
Heute sitze ich um drei Uhr morgens in meiner Wohnung und entwickle Sicherheitskonzepte für eine Joggingrunde.
Vielleicht ist die Welt gefährlicher geworden. Vielleicht bekomme ich einfach mehr davon mit.
Ich weiß es nicht.