Ordentliche Kinder zu haben, ist bestimmt ein Segen. Ein Kind zur Ordnung zu erziehen dagegen ein Mammutprojekt.
Mein Kind gehört eher zur zweiten Sorte. Das ist aber nicht weiter schlimm. Sie hat das von mir – wenn auch in deutlich abgeschwächter Form, würde mein Freund behaupten. Ich finde ja schon, dass ich ordentlicher geworden bin.
Nun denn. Hin und wieder überkommt es mich, aufzuräumen. Dann auch das Kinderzimmer. Dabei frage ich mich regelmäßig: Wie viel Spielzeug hat dieses Kind eigentlich? Und mit wie wenig davon spielt es wirklich? Da liegt eine wahre Goldgrube an aussortierbaren Dingen vor einem.
In Gedanken war ich schon dabei, den Besitz meiner Tochter großzügig zu reduzieren, als mir plötzlich etwas einfiel:
Hast du nicht selbst genug Scheiß, den du erstmal loswerden solltest?
Und damit meine ich nicht irgendeinen Scheiß.
Ich meine das Zeug, das unten im Keller vor sich hin altert. Unzählige Artefakte meiner Versuche, ein geeignetes Hobby für mich zu finden: Stoffe, Garn, Perlen, Holz, Werkzeuge und vieles mehr.
Eigentlich alles Dinge, für die sich bei Kleinanzeigen dankbare Abnehmer finden müssten. Und für Wolle, Perlen und anderes Bastelzeug gibt es bestimmt irgendeinen Verein, der sich über eine Spende freuen würde.
Aber ich mülle ja nicht nur den Keller voll.
Im Flur belegen meine Sportsachen gleich mehrere Schrankfächer. Im Wohnzimmer stapeln sich Bücher. Und im Schlafzimmer dient mein Kleiderschrank inzwischen als eine Art alternative Papierablage.
Ehrlich gesagt ist allein der Keller schon ein Zwei-Tage-Projekt.
Alles durchgehen. Ausräumen. Begutachten. Entscheiden. Fotografieren. Anzeigen erstellen. Allein der Gedanke daran reicht aus, um meine Motivation direkt wieder einzupacken.
Und Zeit habe ich dafür ehrlich gesagt auch nicht.
Eine Lösung für dieses Dilemma hatte ich zunächst nicht. Aber das Kinderzimmer war ordentlich, und ich war plötzlich doch ein bisschen motiviert.
Also ging ich nicht in den Keller, sondern ins Schlafzimmer.
Ich sortierte meine Unterlagen – zum Abheften war ich dann allerdings wieder zu faul – und ging anschließend meinen Kleiderschrank durch. Von einigen Dingen verabschiedete ich mich sogar. Ein paar Tage später nahm ich mir die Flurschränke vor.
Wirklich befreit von der Unordnung und dem ganzen Besitz fühle ich mich noch nicht.
Das Kellerabteil hängt weiterhin wie ein Mühlstein über mir.
Aber ich habe angefangen.
