Kategorie: Kolumne

Muss ja: Februar 2026

Fünf Minuten vor der Zeit ist des Angestellten Pünktlichkeit – ein Spruch aus meiner Lehre, über den ich heute nur noch müde lächle: Ich bin grundsätzlich überpünktlich. Oft sogar mit Kind im Schlepptau. Zeitmanagement at its best und zugleich der Grund, weshalb am Ende des Tages regelmäßig anderes auf der Strecke bleibt. Termindruck habe ich dadurch aber selten. 

Und weil ich es hasse, wenn andere unpünktlich sind, komme ich selbst lieber zu früh als zu spät.

Das hat allerdings zur Folge, dass ich häufig warten muss – im Februar stand ich deswegen öfters in aller herrgottsfrühe auf dem Bahnsteig rum. Viel zu oft habe ich diese Zeit sinnlos vertrödelt und Instagram „durchgespielt“, bis ich irgendwann anfing, ein Buch zu schreiben. Gut, ich hänge noch immer am Handy, aber wenigstens nutze ich mein Hirn aktiv, statt es passiv berieseln zu lassen. Entstanden sind Geschichten über die Erlebnisse einer Katze in Hamburg. Ein Vorlesebuch für die Kleinen.

Denn bei meiner Tochter entwickelt sich neben einer großen Begeisterung für Dinosaurier gerade auch eine ausgeprägte Liebe für Samtpfoten. Also stand ich bei Thalia und suchte nach passendem Vorlesestoff. Das, was dort in den Regalen stand, lag bei uns allerdings längst auf dem Nachttisch, also zog ich murrend wieder ab. „Dann schreib doch selbst eins!“, riet man mir. Hm.

Im Übrigen fallen hier inzwischen häufiger die obligatorischen Sätze: „Ich möchte eine Katze!“ oder „Ich wünsche mir eine Katze zum Geburtstag!“ Daher einer meiner wenigen Erziehungstipps: Wenn das Kind so etwas sagt, ankündigen, man werde einmal prüfen, was das Tierheim aktuell vermittelt. Bisher hatte ich immer Glück. Entweder war die Katze ein Freigänger – was bei uns technisch nicht möglich ist – oder die Katze mag keine Kinder. Ein begründetes Nein, ganz ohne zu lügen!

Zurück zum eigentlichen Thema: Ich hatte relativ schnell acht Geschichten in meine Handynotizen getippt. Aber natürlich waren sie komplett „nackig“ und mussten überarbeitet werden, sowohl in Rechtschreibung und Grammatik als auch in Satzbau und Satzlänge. Für ein Vorlesebuch eignen sich schließlich keine literarisch kunstvoll verschachtelten Sätze, die bei mir meist ohnehin nur entstehen, weil ich so lange tippe, bis ich am Ende nicht mehr weiß, wie der Anfang lautete.

Als ich mir also vornahm, mich mal einen Nachmittag hinzusetzen und die Geschichten in Papyrus oder Word zu übertragen, um mit der Korrektur zu beginnen, lief mein Kopf bereits weiter. Er entwarf Illustrationen, stellte den fertigen Buchsatz zusammen und reichte mir gedanklich schon das gedruckte Exemplar zur Begutachtung, selbstverständlich in makelloser Ausführung.

Ich mag diese ausufernde Vorstellungskraft nicht. Sie erzeugt Druck bei Dingen, die keinerlei Abgabetermin haben. Es wäre zwar wünschenswert, wenn das Buch fertig ist, bevor das Kind beginnt, sich für andere Themen zu interessieren, aber ich hoffe, dass dauert noch einige Jahre.

Und damit nicht genug. Dasselbe geschieht bei den Gedanken an meine Wettbewerbe. In meiner Vorstellung laufe ich gazellenfüßig und federleicht ins Ziel ein. Dass meine bisherigen Zieleinläufe eher einem Pfeifen aus dem letzten Loch oder dem Hieven eines Sacks Reis über die Linie glichen, wird dabei zuverlässig ausgeblendet. 

Diese Gedanken sind kein guter Motivator fürs Training, im Gegenteil. Mitunter vermitteln sie mir eine trügerische Sicherheit. Ich kann es mir vorstellen, also wird es schon so eintreten. Ein fataler Irrtum.

Auch mit meinen Geschichten komme ich nicht weiter! In meinem Kopf sind sie ja schon fertig und meinen Wettbewerb natürlich schon als Altersklassen-Beste gelaufen.

Für diesen Automatismus in meinem Kopf habe ich bislang keinen passenden Mechanismus gefunden, der ihn von Anfang an unterbindet. Also führe ich stille Monologe mit mir selbst, wenn mein Kopf wieder einmal davonstürmt, und verweise ihn auf die To-dos, die zu erledigen sind, bevor aus seinen Entwürfen Realität werden kann. Ganz nebenbei frage ich mich: Ist das eigentlich normal? Es ist kräftezehrend.

Aber muss ja.

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Muss ja: Januar 2026

Der Januar war viel Alltag.

Ich routiniere ein bisschen im Alltagstrott und komme gefühlt nur sehr langsam zu etwas. Dieses ganze „Blogszeugs“ oder der „Internetkram“ bleibt da als Erstes auf der Strecke. Dann folgt schon leider der Sport, der gestrichen wird – zu müde, zu kraftlos oder, was wir im Januar auch hatten: zu angeschlagen, zu krank. Letzteres, also krank sein, war zum Glück gegen Ende des Monats erledigt, spiegelt sich aber deutlich in der Anzahl meiner Trainingseinheiten wider.

Während ich auf die S-Bahn warte – fürs Rad ist es zu glatt – frage ich mich, ob das der Punkt ist, an dem viele Blogs einfach aufhören. Dieses 0-8-15-Leben, das alles langsam auffrisst. Ich vermisse ein paar Blogs schon seit Jahren. Vielleicht weiß ich jetzt, warum. Und ehrlich gesagt: Es ist halt auch nur das Internet. Gesundheit, Energie und Wohlfühlen sind am Ende wichtiger.

Deswegen war ich auch mit meiner Tochter bei IKEA. Viel Geld, viele Bilder und wenige Teelichter später musste das Zeug dann auch irgendwie aus seiner Verpackung an die Wand gebracht werden. Berücksichtigt man dabei das gesellschaftliche Wohl in einem Mehrfamilienkomplex, will man nach 18:00 Uhr einfach nur noch wenig hämmern und bohren, sodass die Zeitfenster recht gering ausfielen, um das alles zu erledigen. Da baut man mit seiner Tochter das Nachttischchen auf, merkt schon, wie das Gähnen häufiger und größer wird – Gottseidank baut die Tochter das schon fast alleine auf -, und liegt kurz nachdem das Teil an der Wand hängt, tief schlummernd daneben im Bett. Es ist 18:00 Uhr.

Das Einrichten wird sich wohl bis in den Februar ziehen. Zwischen IKEA ein- und ausladen lag noch ein Baumarktbesuch. Der kam zuerst an die Wand. Aber das Ergebnis ist mir irgendwie zu dunkel und auch zu fleckig geworden. Ich fürchte, ich muss da nochmal hin.

That’s life, denke ich mir, und sehe im Kalender einfach viel zu wenige Urlaube für zu viele Termine. In dieses Wirrwarr aus verschiedenfarbigen Punkten muss ich dann eben noch mein Training quetschen – das ist mir gerade irgendwie wichtiger, als Blogs zu lesen oder selbst zu bloggen. Ein bisschen schade ist das schon.

Aber muss ja.

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