Social Media und ich

Ich habe die Instagram-App von meinem Handy gelöscht. Instagram war das Social Media Netzwerk, mit dem ich meine Zeit am meisten verbracht habe. Dass ich die App gelöscht habe, ist nun tatsächlich schon ein paar Tage her und mein Zwischenfazit ist: Es ist weder ein großer Befreiungsschlag noch ich vermisse es wirklich.

Social Media Netzwerke

Soziale Netzwerke und ich sind zusammen aufgewachsen. Angefangen hat es bei mir mit StudiVZ während der Schulzeit (Ich habe nie studiert und war trotzdem da angemeldet. Nennt mich Rebell!), dann kam MySpace und gleich darauf Facebook. Nebenbei hat sich Twitter eingeschlichen und schließlich Instagram. Während früher gefühlt jede Woche ein neues Social Media Netzwerk angekündigt wurde und den alten Platzhirschen den Platz streitig gemacht hat, hat sich das mittlerweile beruhigt und es gibt eigentlich nur noch eine Handvoll relevanter Social Media Netzwerke: Facebook, X (früher Twitter), Instagram, TikTok und YouTube.

Meine Reise endete bei Snapchat. Nachdem dieses Netzwerk in aller Munde war, habe ich es ausprobiert und schnell gemerkt: Das ist nichts für mich. Zu schrill, zu hektisch und meiner Meinung nach auch nicht benutzerfreundlich. Seitdem haben mich die Ankündigungen neuer Netzwerke nur noch mäßig berührt und ich habe mich hauptsächlich auf Instagram konzentriert, weil dort die meisten Leute waren, mit denen ich in Kontakt bleiben wollte. Ich habe immer noch einen Facebook- und einen X-Account, glaube ich zumindest, aber ich habe diese Seiten seit Jahren nicht mehr besucht. Sie haben ihren Reiz und ihre Relevanz für mich verloren.

Erwartung

Meine Erwartungen, die ein Social Media Netzwerk erfüllen muss, scheinen entgegengesetzt der Allgemeinheit zu sein. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Nutzer ihrer Plattformen immer neue Leute kennenlernen wollen, anders kann ich mir nicht erklären, dass ich neben Werbung auch massenhaft Profile angezeigt bekomme, denen ich nicht folge. Die Profile, denen ich folge, sehe ich hingegen kaum bis gar nicht. Umgekehrt wäre es mir lieber. Ich würde lieber nur die Profile sehen, denen ich folge und wenn ich Lust habe, würde ich mir neue Profile anschauen.

Reizüberflutung

Ich erinnere mich noch, wie überflüssig ich die Instagram-Stories fand und sie oft nur weggeklickt habe. Am Anfang waren die Stories meist nur Bilder und noch viel textlastiger, jetzt sind sie oft mit Musik unterlegt und es wird gesprochen. Eine Zeit lang habe ich mich damit abgefunden und die Stories konsumiert – schließlich war die Anzahl der Profile, denen ich tatsächlich folgte, höher als in meiner Timeline -, zwischenzeitlich habe ich einige Profile in den Stories blockiert, weil es einfach zu viel war, was gepostet wurde und gegen Ende habe ich die Stories eigentlich wieder nur durchgeklickt, damit sie mir nicht mehr als neu angezeigt wurden. Für mich sind diese Clips eine Reizüberflutung, oft will ich nach einem Arbeitstag einfach nur meine Ruhe haben und in Ruhe konsumieren. Das war bei Snapchat nie möglich, weshalb sich das Netzwerk bei mir nie etabliert hat und bei Instagram ist dies mittlerweile auch nicht mehr möglich. Das hat Instagram für mich unbenutzbar gemacht.

Das war jetzt der „technische“ Aspekt, der die Social-Media-Plattformen für mich unattraktiv macht. Dieser Trend zu Video und Ton zieht sich ja durch alle großen Netzwerke – außer vielleicht bei X, aber da gibt es nur Schwarz-Weiß-Denken und Melancholie. Auch inhaltlich haben sich die Plattformen verändert. Weg vom Privaten, hin zum Business. Die meisten Profile wollen einem mittlerweile etwas verkaufen, was aber gerne so dargestellt wird, als wären es gut gemeinte Coaching-Tipps, die das Leben bereichern. Und dann gibt es noch die Comedians. Kreative Menschen, die einem zum Lachen bringen wollen. Aber wenn man sich ein bisschen durch die App scrollt, merkt man ziemlich schnell, dass sie meistens nur die Clips von anderen 1 zu 1 kopieren. Und das scheint zu funktionieren. Die „Creators“ werden dafür gefeiert. Ich kann das nicht nachvollziehen, dass man sich für Dinge auf die Schulter klopft, die man nicht selbst „gemacht“ hat. Vielleicht ist das einer dieser inneren Konflikten von mir, an denen ich bei mir arbeiten muss. Wer weiß das schon. Das macht die App zu einer Farce und ich habe mir viel zu lange diese Coaching-Tipps und kopierten Reels angeschaut.

Zwischenfazit

Es ist mir zu viel.
Das ist mein Fazit zu Social Media.

Die Netzwerke geben mir nicht das, was die Unternehmen vielleicht gerne hätten, sondern sie überreizen mich, machen mich schlecht gelaunt und fördern meine negativen Gedanken. Entweder rege ich mich darüber auf, dass kopierte Inhalte gefeiert werden, oder ich bekomme von Coaches eingetrichtert, dass ich ein schlechter Mensch bin – Du bist nur gut, wenn du jeden Tag deinen Kühlschrank putzt!

Man kann sie gezielt einsetzen – so nutze ich Instagram derzeit über den Browser, was sehr umständlich ist und meine Nutzungszeit drastisch reduziert hat. Ich schaue mir auch nur noch die Profile von Leuten an, bei denen ich denke, dass ich mal wieder vorbeischauen könnte. Denn ich will wissen was meine Freunde machen und nicht was Kim Kardashian wieder bewirbt! Seitdem ich das tue, denke ich weniger über überflüssige Dinge nach, fühle mich ruhiger und bin weniger überreizt. Trotzdem würde ich gerne einfacher mit Freunden in Verbindung bleiben.

Quellen

Foto: dole777 auf unsplash.com


Kommentare

2 Antworten zu „Social Media und ich“

  1. Wahrscheinlich könnte ich auch unendlich viel Zeit sparen, wenn ich das ganze Social Media Zeug weglassen würde, aber ich muss gestehen, ich nutze es gerne, wenn ich mal ein paar Minuten am Tag einfach nur kurz abschalten möchte. Ein Stück weit würde mir diese Berieselung sicherlich fehlen *lach*

    1. Solang es für dich klappt und dich nicht stört, ist dem auch nichts einzuwenden 🙂

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